Themenschwerpunkte meiner Arbeit:
Die vielgestaltige Formensprache des Entstehens, Wachsens und Gedeihens und der Vergänglichkeit, wo immer sie mir begegnet. In der Natur, in der großen wie der kleinen, im Altern eines jeglichen, der Witterung und Verwitterung, Bewahren und Aufbewahren, Behalten und Behältnis. Der Zyklus "haut und knochen" umfasst insgesamt 12 Photographien und zeigt in Serie Aufnahmen aus dem Bereich "Glashaus", der sensibel aufgefasst, auch die menschliche Existenz des Werdens, der Aufzucht, des Wachsens, der Prallheit des Lebens, die rein ästhetische Vergänglichkeit mit ihrer Vanitas Symbolik und auch letztlich die schnöde Entsorgung inbegriffen, beinhaltet.
Wir alle brauchen neben Glashaut, Schutz, Sonneneinwirkung, Wasser, Belüftung auch Dünger, geistiges, seelisches und körperliches Substrat, um existieren, wachsen und gedeihen zu können. Kultur im weitesten Sinne. So wie die Formgebung beim schöpferischen Akt eine entscheidende Rolle spielt, so ist letztendlich die Deformation auch nur eine Frage der Ästhetik. Aber auch der Ethik. So bleibt am Ende nur vom Körper die Hülle als Rest.
Diese Themen bearbeite ich in meinen Photographien, Objekten und Installationen.
In einen Diskurs über Leonardos Gewandstudien, die Texte von Leibniz über die Falte oder Gilles Deleuze „le pli.“ würde sich das Vanitas-Motiv in meiner künstlerischen Arbeit zwanglos einfügen.
Vergänglichkeit und die Nichtigkeit des Irdischen gehören zu meinen zentralen Themen. Meine fotografischen Zyklen stehen als zeitgenössische Neuinterpretationen durchaus mitten in der Vanitas-Tradition.
Vielleicht kann man das so ausdrücken: Leonardo da Vinci studierte Faltenwürfe, Wasserbewegungen, Wolken, Pflanzenwachstum und die Veränderungen der Natur. Ihn interessierte weniger das starre Objekt als der Prozess des Werdens und Vergehens. Seine Gewandstudien zeigen Materie in Bewegung – jede Falte ist Momentaufnahme eines Zustands, der sich sofort wieder verändert. Das Flüchtige wird sichtbar gemacht.
Indem sich am Tor zur Moderne Gottfried Wilhelm Leibniz dem Problem der Bestimmbarkeit des Besonderen trotz dessen unaufhörlicher Veränderungen stellt, dem Doppelgesicht alles Wirklichen als Kontinuität und Vergänglichkeit, wird bei ihm die Faltenmetapher zur Denkfigur mit Blick auf die Welt selbst. Jede Falte enthält weitere Falten, die zugleich unüberwindbar trennen und nachbarschaftlich Nahes mit Nächstem verbinden.
Meine Fotografie folgt solchen Gedanken in die Gegenwart. Die Themen – Wachsen, Gedeihen, Altern, Verwitterung, Bewahren und Vergänglichkeit – kreisen letztlich um das selbe Spannungsverhältnis. Während Leonardo jedoch die Formen des Werdens untersucht und Leibniz die moderne Version der Philosophie des Werdens ankündigt, richtet meine Arbeit den Blick auf die Spur, die dieses Werden hinterlässt. Verwitterte Oberflächen, Industriearchitekturen im schleichenden Verfall, organische Prozesse und Installationen aus vergänglichen Materialien machen sichtbar, dass jede Form bereits ihre Auflösung in sich trägt.
Bei Leonardo ist die Falte Ausdruck der Bewegung.
Bei Leibniz veranschaulicht sie die Struktur der Wirklichkeit.
Bei mir erscheint sie als Spur der Zeit. Die Falte ist nicht nur Form, sondern Zeitzeichen. Das Memento der Vanitas zeigt sich in meiner Fotografien immer wieder, wenn auch nicht mit Totenschädel, Sanduhr oder verlöschender Kerze, sondern an den Zeichen von Alterung, Verwitterung, unabweisbar erinnert und ständig transformiert.
Ich versuche in meinen Arbeiten nicht die Dinge zu photographieren, sondern die Zeit selbst.